Was ist Melancholie?

Melancholie wird als schwermütige Stimmung definiert

Melancholie - Definition

Wir alle durchleben hin und wieder trübsinnige, gar traurige Phasen. Jeder Mensch trägt Melancholie in sich. Genau wie Freude, Langeweile, Motiviertheit usw. ist sie eine normale Stimmungslage des Menschen. Melancholie zeichnet sich dadurch aus, dass die Person vorübergehend nachdenklich, traurig oder bedrückt ist. Die in dieser Phase vollzogenen Reflexionen bieten häufig den Ansporn für neue Taten, eröffnen alternative Sichtweisen und sorgen für innere, seelische Ausgeglichenheit.

Die moderne Spaß- und Konsumgesellschaft

In unserer heutigen Spaßgesellschaft ist die Melancholie weitestgehend verachtet und wird in vielen Fällen als Krankheit wahrgenommen. Wer seiner Seele etwas Schwermut gönnen möchte, der wird schnell mit Sprüchen wie "Sei doch keine Spaßbremse" konfrontiert. Denn für die Hedonisten ist die Melancholie das genaue Gegenteil von dem, was sie sich an (falscher) Freude untereinander ständig vorgaukeln und ihnen die Medien aufdringlich einflösen.

 

Partys, gute-Laune-Selfies, lachende Models auf Werbeplakaten sind der Normalzustand unserer Spaßgesellschaft. Wer aber seine Freizeit statt in der Disko lieber allein bei einem ruhigen Spaziergang verbringt, der wird als krank oder Außenseiter wahrgenommen, dem es vermutlich an Lebensfreude fehlt.

 

Nicht falsch verstehen: Parties und Co. können für viele Endorphine ("Glückshormone") sorgen. Sie gehören zum Menschsein dazu, gesellige, freudige Tage und Nächte der Heiterkeit und des Feierns gab es immer schon. Allerdings gehört die Melancholie genauso zum Menschen und ist ebenso wichtig für ein ausgeglichenes Leben. Doch während Glück in unserer Gesellschaft zunehmend als einzig erstrebenswert betrachtet wird, wird die Melancholie ständig als negativ abgetan. Momente der Trauer und des Schwermuts sollen in dieser Spaßgesellschaft offenbar nicht exisiteren und schlimmstenfalls sogar "eliminiert" werden.

Melancholische Stimmung ist verpöhnt in der heutigen Spaßgesellschaft

Melancholie in der Geschichte

Dass die Melancholie als Krankheit gedeutet wird, hat lange Tradition und reicht bis in die Antike zurück. Der Begriff kommt aus dem Griechischen (melancholía) und heißt übersetzt "schwarze Galle". Die schwarze Galle wurde als eine der vier Körpersäfte angesehen (gelbe Galle, schwarze Galle, Blut, Schleim), die den Körper vergifte. Die Medizin der Antike und des Mittelalters wollte Erkrankten helfen, indem sie den Anteil der schwarzen Galle in deren Körper verringern.

 

Einige wenige Beispiele für eine positive Deutung der Melancholie sind u.a. Albrecht Dürers Kupferstich "Melancolia I", in den mehrfach die Genialität von Melancholikern hineininterpretiert wurde, und die von Theophrastos von Eresos aufgeworfene Frage: "Warum sind alle hervorragenden Männer, ob Philosophen, Staatsmänner, Dichter oder Künstler, offenbar Melancholiker gewesen?" Er deutete offensichtlich alle großen Persönlichkeiten der Geschichte als melancholische Menschen.

Depression vs. Melancholie

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff "Melancholie" in der Psychologie und Medizin immer häufiger durch "Depression" ersetzt. Diese Begriffsveränderung bzw. Gleichsetzung von Melancholie und Depression ist jedoch fatal. Im Gegensatz zur Melancholie ist die Depression nämlich keine vorübergehende Stimmungslage, sondern ein Krankheitsbild von dauerhaft labiler Grundstimmung. Die schwermütigen Phasen des Melancholikers kommen, aber sie vergehen auch wieder. Die Depression dagegen bleibt und der Erkrankte leidet unter ständigen Symptomen der inneren Unausgeglichenheit.

 

Die gelegentlich trübsinnige Stimmung des Melancholikers ist ein Ausgleich zu den freudigen Momenten in dessen Leben und kann dadurch auch therapeutisch wirken: In den melancholischen Phasen findet ein seelischer Tiefgang voller Reflexion, Sensibilität und Mitgefühl statt.

Ein Mensch ist nie nur glücklich, auch wenn uns das in der Spaß- und Konsumgesellschaft suggeriert wird und Glück ohne Frage ein erstrebenswerter Zustand ist. Zum Menschsein gehört aber auch die Traurigkeit und der Schwermut. Auch für diese muss es Platz zum Ausleben geben.

Fazit

Nicht jeder, der ab und zu traurig ist, leider an einer Depression

Melancholie ist eine Stimmung, die sich durch Schwermut und Nachdenklichkeit auszeichnet und die jeder Mensch in sich trägt. In der Gesellschaft herrscht jedoch die Auffassung, dass entgegengesetzte Empfindungen wie Spaß und Heiterkeit der erstrebenswerte Idealzustand des Menschen seien. Die Melancholie wird dabei als etwas Negatives verstanden und fälschlicherweise mit dem Krankheitsbild Depression gleichgesetzt.